Zwei ältere Mitarbeiter unterhalten sich im Büro
Kosten und Bindung

Altersstruktur und Sterbefallrisiko: warum die Belastung in den nächsten zehn Jahren steigt

Rund jede und jeder zwölfte Mitarbeitende über 50 verliert in diesem Jahr ein Elternteil. Warum das Risiko in der ältesten Hälfte Ihrer Belegschaft konzentriert ist und wie Sie es für Ihr Unternehmen berechnen.

Aktualisiert

Sterbefälle in der Familie treffen eine Belegschaft nicht gleichmäßig. Sie konzentrieren sich fast vollständig auf die ältere Hälfte, und sie folgen einem Zeitplan, den die Demografie bereits festgelegt hat.

Das lässt sich ausrechnen, und zwar für Ihr Unternehmen.

Die Ausgangslage

40 Prozent aller Sterbefälle in Deutschland entfallen auf die Altersgruppe 80 bis 89. Etwa die Hälfte der verstorbenen Männer und rund 70 Prozent der verstorbenen Frauen sind 80 Jahre oder älter.

Die Kinder dieser Menschen sind heute typischerweise zwischen 50 und 62 Jahre alt.

In den meisten Unternehmen ist das der Teil der Belegschaft mit der längsten Betriebszugehörigkeit, dem meisten nicht dokumentierten Wissen und der längsten Wiederbesetzungsdauer.

Die Rechnung

Für eine Person von 55 Jahren liegen die Eltern typischerweise bei 81 und 84 Jahren. Aus den altersspezifischen Sterbewahrscheinlichkeiten und der Wahrscheinlichkeit, dass ein Elternteil überhaupt noch lebt, ergibt sich:

MitarbeitendeEltern typischerweisenoch lebendSterbewahrscheinlichkeitBeitrag
55 JahreMutter, 8178 %4,0 %3,1 %
Vater, 8455 %8,5 %4,7 %
7,8 %
33 JahreMutter, 5995 %0,45 %0,4 %
Vater, 6290 %1,1 %1,0 %
1,4 %

Rund jede und jeder zwölfte Mitarbeitende über 50 verliert in diesem Jahr ein Elternteil. Bei den unter 40-Jährigen ist es etwa jede oder jeder Siebzigste.

Das Risiko ist in der älteren Hälfte Ihrer Belegschaft rund fünfmal so hoch.

Diese Werte sind aus amtlichen Zahlen abgeleitet, nicht selbst erhoben. Schwiegereltern sind nicht enthalten. Mit ihnen liegt die Zahl deutlich höher, weil sie in der Praxis dieselbe Verwaltungslast auslösen.

Für Ihr Unternehmen

Multiplizieren Sie die Zahl Ihrer Mitarbeitenden über 50 mit 8 Prozent.

Mitarbeitende über 50Elternfälle pro JahrSterbefälle insgesamt in der Belegschaft
302 bis 33
6056
1501216
3502836

Die rechte Spalte rechnet mit 4 Prozent der gesamten Belegschaft über alle Altersgruppen und Verwandtschaftsgrade.

Warum die Zahl steigt

Zwei Entwicklungen laufen gleichzeitig.

Die Belegschaften altern. Der Anteil der über 50-Jährigen an den Erwerbstätigen ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten deutlich gestiegen und steigt weiter, weil die geburtenstarken Jahrgänge länger im Erwerbsleben bleiben und weniger junge Beschäftigte nachrücken.

Deren Eltern erreichen jetzt die Altersgruppe mit der höchsten Sterblichkeit. Wer 1962 geboren wurde, ist heute 64. Die Eltern dieser Jahrgänge sind überwiegend zwischen 85 und 95.

Beides zusammen bedeutet: der Anteil der Belegschaft, der in einem gegebenen Jahr einen Elternteil verliert, wächst über die kommende Dekade, ohne dass Sie etwas tun oder unterlassen.

Was die Konzentration teuer macht

Es ist nicht nur die Häufigkeit. Es ist, wen es trifft.

Die 50- bis 62-Jährigen sind in fast jedem Unternehmen die Gruppe mit:

  • der längsten Betriebszugehörigkeit,
  • dem meisten Wissen, das nirgends dokumentiert ist,
  • den längsten Wiederbesetzungszeiten,
  • und dem geringsten Nachbesetzungsangebot am Arbeitsmarkt.

Eine ungeplante Nachbesetzung kostet im Durchschnitt 43.069 Euro. Der größte Block darin sind Vakanzkosten von rund 16.800 Euro, und die fallen bei schwer nachbesetzbaren Rollen deutlich höher aus. Das Sterbefallrisiko konzentriert sich damit genau dort, wo dieser Durchschnittswert eine Untertreibung ist.

Hinzu kommt der zweite Effekt derselben Altersgruppe: dem Sterbefall geht in vielen Familien eine Pflegephase voraus. Rund 6 Prozent der Erwerbsfähigen pflegen einen Angehörigen, bei einer durchschnittlichen Pflegedauer von etwa sieben Jahren. Ein erheblicher Teil reduziert dafür die Arbeitszeit.

Was daraus folgt

Die Altersstruktur Ihrer Belegschaft ist eine Planungsgröße für dieses Thema, nicht nur für die Rentenwelle. Wer weiß, wie viele Mitarbeitende über 50 er hat, kennt seine Fallzahl für dieses Jahr auf plus minus zwei genau.

Der Effekt ist vorhersehbar und damit vorbereitbar. Anders als Krankheitsfälle oder Kündigungen folgt diese Belastung einer bekannten Verteilung. Sie können sie einplanen.

Die Gruppe, um die es geht, ist dieselbe, um die Sie sich ohnehin sorgen. Wissenstransfer, Nachfolgeplanung und Bindung der erfahrenen Belegschaft sind bereits Themen in den meisten Personalabteilungen. Das Sterbefallrisiko gehört in dieselbe Betrachtung, wird dort aber praktisch nie berücksichtigt.

Die vollständige Kostenrechnung: Was ein Sterbefall einen Arbeitgeber kostet

Was das operativ bedeutet

Die Beschäftigten, die dieses Risiko tragen, lassen sich heute schon benennen: die Gruppe über 50, die längsten Betriebszugehörigkeiten, die am schwersten nachbesetzbaren Rollen. Das ist kein Grund, auf den Einzelfall zu warten, sondern ein Grund, genau diese Gruppe vorzubereiten, bevor die Sechs-Wochen- und Sechs-Monats-Fristen aus den anderen Texten dieser Reihe zu laufen beginnen.

Das ist der Teil dieses Risikos, den ein Unternehmen im Voraus angehen kann statt erst im Fall zu reagieren: wie Meolea die älteste, risikoreichste Gruppe Ihrer Belegschaft vorbereitet, bevor ein Fall eintritt.

Quellen

  • Statistisches Bundesamt: Sterbefälle nach Altersgruppen
  • Statistisches Bundesamt: Periodensterbetafel, altersspezifische Sterbewahrscheinlichkeiten
  • Statistisches Bundesamt: Erwerbstätige nach Altersgruppen
  • Kompetenz Center Mitarbeiterbindung: Fluktuationskosten
  • SOEP, Arbeitnehmerkammer Bremen, Barmer Pflegereport: pflegende Angehörige
Julius Launhardt
Gründer von Meolea

Julius Launhardt ist Gründer von Meolea. Er verbindet langjährige Erfahrung in Software, Strategie und digitalen Produkten mit praktischer Erfahrung aus Feuerwehr und Rettungsdienst. Mit Meolea möchte er Menschen helfen, wichtige Dokumente, Wünsche, Erinnerungen und digitale Nachlassplanung so zu ordnen, dass Angehörige in schweren Momenten nicht allein suchen oder raten müssen.