Zwei Kollegen sitzen gemeinsam am Tisch und sehen sich Unterlagen an
Kosten und Bindung

Was ein Sterbefall den Arbeitgeber kostet: die vollständige Rechnung

Die erste offengelegte Kostenrechnung für Sterbefälle in deutschen Belegschaften. Direkte und indirekte Kosten, Stufenmodell, Quellen und Herleitung. Zahlen zur freien Verwendung mit Quellenangabe.

Aktualisiert

Für Deutschland existiert keine Studie, die Sterbefälle in der Familie von Beschäftigten mit betrieblichen Kosten verknüpft. Es gibt Zahlen zu Fluktuationskosten, Zahlen zu Arbeitsunfähigkeit, Zahlen zu Arbeitskosten je Stunde. Verbunden hat sie niemand.

Diese Lücke ist der Grund für diesen Text. Wir haben die verfügbaren amtlichen Zahlen zu einem Modell zusammengeführt, legen jede Annahme offen und benennen jede Stelle, an der wir schätzen statt zu messen. Die Rechnung heißt Meolea-Sterbefallkostenrechnung 2026.

Die Zahlen dürfen mit Quellenangabe frei verwendet werden. Wenn Sie sie in einer Präsentation, einem Betriebsratsantrag oder einem Fachartikel brauchen, nehmen Sie sie.

Das Ergebnis vorweg

KennzahlWert
Kosten je Sterbefall, gewichtet10.071 €
davon direkt (gezahlter Lohn für nicht erbrachte Arbeit)6.927 €
davon indirekt3.144 €
Kosten je Mitarbeitende und Jahr403 €
bei wissensintensiven Belegschaften684 €
Anteil der Kosten aus 10 % der Fälle37,6 %

1. Warum ein Durchschnitt hier nicht funktioniert

Die betriebliche Wirkung eines Sterbefalls skaliert extrem mit der Nähe zur verstorbenen Person. Der Verlust einer Großmutter kostet ein Unternehmen wenige Tage. Der Verlust eines Kindes kann eine Mitarbeiterin für ein Jahr aus dem Betrieb nehmen und am Ende ganz.

Ein flacher Durchschnitt unterschätzt den katastrophalen Fall massiv und überschätzt den entfernten. Deshalb arbeitet das Modell mit drei Stufen.

StufeVerlustCharakterAnteil
1Partnerin, Partner oder KindKatastrophal. Regelmäßig sechs bis zehn Monate Arbeitsunfähigkeit.10 %
2ElternteilDer Regelfall. Meist ist die betroffene Person zugleich diejenige, die den Nachlass abwickelt.55 %
3Geschwister, Großeltern, andereReal, aber kürzer. Häufig jüngere Beschäftigte.35 %

Der Stufenmix ist modelliert. In Deutschland existiert kein Register darüber, welche Angehörigen erwerbstätige Menschen verlieren. Wir leiten ihn aus der Sterbealtersverteilung ab: 40 Prozent aller Sterbefälle entfallen auf die Altersgruppe 80 bis 89. Das macht den Elternverlust zum dominierenden Fall in jeder Belegschaft und den Partner- oder Kindesverlust zur seltenen, teuren Ausnahme.

Für eine junge Belegschaft verschiebt sich der Mix Richtung Stufe 3. Für eine ältere Richtung Stufe 2.

2. Die Rechengrundlagen

GrößeWertHerkunft
Arbeitskosten je geleisteter Stunde45,00 €Statistisches Bundesamt, 2025
Arbeitstag, 8 Stunden geladen360 €daraus abgeleitet
Kosten einer ungeplanten Nachbesetzung43.069 €Kompetenz Center Mitarbeiterbindung
Sterbefälle in Deutschland pro Jahrrund 1,0 MioStatistisches Bundesamt
Anteil der Verstorbenen im Alter 80 bis 8940 %Statistisches Bundesamt
Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall6 Wochen§3 EFZG
Sonderurlaub bei Tod naher Angehörigermeist 1 bis 2 Tage§616 BGB, abdingbar

Die 45,00 € sind der gesamtwirtschaftliche Durchschnitt über alle Qualifikationen im Produzierenden Gewerbe und Dienstleistungsbereich. Für Ingenieurbüros, Kanzleien, IT-Unternehmen oder Beratungen liegt der Wert erheblich höher. Wir rechnen deshalb zusätzlich eine Variante mit 75 € je Stunde.

3. Der Kostenstapel je Fall

Jeder Fall summiert Positionen aus zwei Kategorien.

Direkt heißt: der Arbeitgeber zahlt Lohn für Arbeit, die nicht oder nur eingeschränkt geleistet wird. Diese Kosten stehen in der Lohnbuchhaltung, auch wenn sie dort nicht als Sterbefallkosten erkennbar sind.

Indirekt heißt: keine eigene Lohnposition, aber realer Verlust. Umverteilte Arbeit im Team und der Erwartungswert eines ungeplanten Abgangs.

Stufe 1: Partnerin, Partner oder Kind

PositionArtBetrag
Sonderurlaub, 2 Arbeitstagedirekt720 €
Entgeltfortzahlung, 6 Wochendirekt10.800 €
Wiedereinstieg, 60 Arbeitstage bei 40 % Minderleistungdirekt8.640 €
HR und Führungskraft, 30 Stundendirekt1.950 €
Summe direkt22.110 €
Vertretung während der Krankengeldphase, 55 AT zu 25 %indirekt4.950 €
Abgang, Erwartungswert 25 % × 43.069 €indirekt10.767 €
Summe37.827 €

Zur Krankengeldphase. Nach sechs Wochen endet die Entgeltfortzahlung nach §3 EFZG und die Krankenkasse übernimmt. Für diese Zeit setzen wir keine Lohnkosten an. Das ist der Punkt, an dem die meisten überschlägigen Rechnungen zu hoch liegen. Was bleibt, ist die Vertretung: die Arbeit verschwindet nicht, nur weil der Lohn nicht mehr der Arbeitgeber zahlt.

Die sechs bis zehn Monate Arbeitsunfähigkeit sind Feldevidenz, gehört in Gesprächen mit Personalverantwortlichen, mehrfach unabhängig. Sie sind nicht erhoben. Zur Einordnung: die durchschnittliche Falldauer bei psychischen Erkrankungen liegt laut DAK-Psychreport bei 33 Arbeitsunfähigkeitstagen, bei älteren Beschäftigten bei rund 58.

Stufe 2: Elternteil

PositionArtBetrag
Sonderurlaub, 2 Arbeitstagedirekt720 €
Zusätzliche Abwesenheit: Bestattung, Behörden, Haushaltsauflösung, 6 ATdirekt2.160 €
Minderleistung, 85 Arbeitstage bei 12 %direkt3.672 €
HR und Führungskraft, 8 Stundendirekt520 €
Summe direkt7.072 €
Abgang, Erwartungswert 6 % × 43.069 €indirekt2.584 €
Summe9.656 €

Der Elternfall ist der teuerste in der Summe, weil er der häufigste ist. Er ist auch der am stärksten unterschätzte, weil er sich nicht als Ausfall zeigt, sondern als Anwesenheit bei reduzierter Leistung über mehrere Monate.

Stufe 3: Geschwister, Großeltern, andere

PositionArtBetrag
Sonderurlaub und zusätzliche Abwesenheit, 3 Arbeitstagedirekt1.080 €
Minderleistung, 40 Arbeitstage bei 8 %direkt1.152 €
HR und Führungskraft, 2 Stundendirekt130 €
Summe direkt2.362 €
Abgang, Erwartungswert 1 % × 43.069 €indirekt431 €
Summe2.793 €

4. Die gewichtete Rechnung

Gewichtet mit dem Stufenmix 10 / 55 / 35:

StufeAnteilje FallBeitrag
110 %37.827 €3.783 €
255 %9.656 €5.311 €
335 %2.793 €978 €
Durchschnitt10.071 €

Die Aufteilung in direkte und indirekte Kosten, gewichtet mit demselben Mix:

direkt   = 0,10 × 22.110 + 0,55 × 7.072 + 0,35 × 2.362 = 6.927 €
indirekt = 0,10 × 15.717 + 0,55 ×  2.584 + 0,35 ×   431 = 3.144 €

Rund 69 Prozent der Kosten sind direkt, also gezahlter Lohn für Arbeit, die nicht oder nur eingeschränkt erbracht wird. Diese Kosten stehen bereits in Ihrer Lohnbuchhaltung, nur nicht unter dieser Überschrift. Sie sind der Teil der Rechnung, der sich nicht als weiche Schätzung abtun lässt.

Die Tail-Konzentration. Stufe 1 macht ein Zehntel der Fälle aus und 37,6 Prozent der Kosten. Stufe 3 macht gut ein Drittel der Fälle aus und knapp 10 Prozent der Kosten.

Das ist die wichtigste Einzelaussage dieser Rechnung. Wer für den Durchschnittsfall plant, plant an der Stelle vorbei, an der das Geld liegt.

5. Von Kosten je Fall zu Kosten je Kopf

Die betriebswirtschaftlich brauchbare Zahl ist nicht der Fall, sondern die Jahresbelastung je Mitarbeitende, weil nur sie mit Budgetgrößen vergleichbar ist.

Rund 1,0 Millionen Sterbefälle jährlich in Deutschland treffen auf etwa 46 Millionen Erwerbstätige. Jeder Sterbefall betrifft mehrere Angehörige, von denen ein Teil erwerbstätig ist. Wir rechnen konservativ mit 4 Prozent der Belegschaft pro Jahr.

Belegschaftstypje Fallje Mitarbeitende und Jahr
Durchschnittliches Lohnniveau, 45 €/Std10.071 €403 €
Wissensintensiv, 75 €/Std, höhere Nachbesetzungskosten17.100 €684 €

Bei 150 Mitarbeitenden sind das rund 60.000 Euro im Jahr, bei 900 rund 363.000 Euro.

6. Die Nachbesetzungskosten im Detail

Die 43.069 Euro sind der meistzitierte deutsche Referenzwert und setzen sich zusammen aus:

BlockBetragAnteil
Vakanzkosten16.800 €39 %
Recruiting10.700 €25 %
Fehlbesetzungsrisiko7.178 €17 %
Austrittskosten4.200 €10 %
Einarbeitung4.100 €9 %

Der größte Block ist der, der in keinem Budget auftaucht. Vakanzkosten verteilen sich als Mehrarbeit und verschobene Projekte über das Team. Bei einer Vakanzzeit von fünf bis sechs Monaten trägt das Team die Lücke ein halbes Jahr.

Weil die Vakanzkosten dominieren, ist der Wert für schwer nachbesetzbare Rollen am höchsten. Bei Spezialistinnen, Spezialisten und Führungsrollen läuft er auf ein bis zwei Jahresgehälter hinaus.

Ausführlich: Fluktuationskosten nach einem Sterbefall

7. Warum die Belastung steigt

Sterbefälle verteilen sich nicht gleichmäßig über eine Belegschaft. 40 Prozent aller Sterbefälle entfallen auf die Altersgruppe 80 bis 89. Die Kinder dieser Menschen sind heute zwischen 50 und 62.

Für Mitarbeitende dieser Altersgruppe liegt die Wahrscheinlichkeit, in einem Jahr ein Elternteil zu verlieren, bei rund 8 Prozent. Für unter 40-Jährige bei etwa 1,4 Prozent.

Rund jede und jeder Zwölfte über 50 verliert in diesem Jahr ein Elternteil. In derselben Gruppe sitzen die längsten Betriebszugehörigkeiten und die längsten Wiederbesetzungszeiten.

Ausführlich: Altersstruktur und Sterbefallrisiko

8. Was diese Rechnung nicht enthält

Jede der folgenden Auslassungen macht das Ergebnis konservativer.

  • Pflege. Der größere und länger laufende Block. Rund 6 Prozent der Erwerbsfähigen pflegen einen Angehörigen, die durchschnittliche Pflegedauer liegt bei etwa sieben Jahren, und ein erheblicher Teil reduziert dafür die Arbeitszeit oder gibt sie auf. Hier mit null angesetzt.
  • Schwiegereltern. Lösen dieselbe Verwaltungslast aus, sind in der Häufigkeitsrechnung nicht enthalten.
  • Fehler und Qualitätsverluste in der Phase reduzierter Leistungsfähigkeit.
  • Wissensverlust beim Abgang, über die Nachbesetzungskosten hinaus.
  • Zeit der Kolleginnen und Kollegen außerhalb der angesetzten Vertretung.

9. Methodik und Grenzen

Was erhoben ist: Arbeitskosten je Stunde, Sterbefallzahlen und Altersverteilung, altersspezifische Sterbewahrscheinlichkeiten, Nachbesetzungskosten, Falldauer bei psychischen Erkrankungen, Prävalenz pflegender Angehöriger.

Was Feldevidenz ist: die Dauer der Arbeitsunfähigkeit bei Stufe 1. Mehrfach unabhängig in Gesprächen mit Personalverantwortlichen gehört, nicht erhoben.

Was modelliert ist: der Stufenmix, die Fallquote von 4 Prozent, die Minderleistungsquoten, die Abgangswahrscheinlichkeiten je Stufe und der HR-Zeitaufwand.

Die beiden empfindlichsten Stellen sind die Minderleistungsquoten und die Abgangswahrscheinlichkeit in Stufe 1. Eine Absenkung der Stufe-1-Abgangswahrscheinlichkeit von 25 auf 15 Prozent senkt den gewichteten Durchschnitt auf rund 9.700 Euro. Alle modellierten Werte sind bewusst im unteren Bereich der plausiblen Spanne angesetzt.

Was fehlt, um daraus eine Studie zu machen: eine Erhebung unter deutschen Arbeitgebern, die Sterbefälle in der Belegschaft, anschließende Fehlzeiten und Kündigungen über 24 Monate zusammenführt. Diese Erhebung gibt es nicht. Wenn Sie an einer mitwirken wollen, melden Sie sich.

Was das operativ bedeutet

Der größte Teil dieser Kosten liegt in Abschnitt 3 und 5: Koordination, die nach einem Sterbefall entsteht, nicht davor. Am wenigsten kostet der Fall, in dem die betroffene Person bei der Bestattung, den Behörden und der Bank bereits weiß, was zu tun ist, weil jemand das vorher mit ihr vorbereitet hat. Das ist der Teil der 403 € je Mitarbeitendem, der sich ohne eine Grundsatzentscheidung angehen lässt: wie die Meolea-Absicherung die direkten Kostenpositionen oben reduziert.

Quellen

  • Statistisches Bundesamt: Arbeitskosten je geleisteter Stunde, 45,00 € (2025)
  • Statistisches Bundesamt: Sterbefälle und Sterbefälle nach Altersgruppen
  • Statistisches Bundesamt: Periodensterbetafel, altersspezifische Sterbewahrscheinlichkeiten
  • Kompetenz Center Mitarbeiterbindung (Gunther Wolf): Fluktuationskosten, 43.069 € je Kündigungsfall
  • DAK-Psychreport: Falldauer bei psychischen Erkrankungen
  • National Council for Palliative Care, „Life after Death“ (Vereinigtes Königreich): Bindungsrisiko nach einem Sterbefall. Für Deutschland existiert keine vergleichbare Erhebung.
  • SOEP, Arbeitnehmerkammer Bremen, WIdOmonitor, Barmer Pflegereport: pflegende Angehörige
Julius Launhardt
Gründer von Meolea

Julius Launhardt ist Gründer von Meolea. Er verbindet langjährige Erfahrung in Software, Strategie und digitalen Produkten mit praktischer Erfahrung aus Feuerwehr und Rettungsdienst. Mit Meolea möchte er Menschen helfen, wichtige Dokumente, Wünsche, Erinnerungen und digitale Nachlassplanung so zu ordnen, dass Angehörige in schweren Momenten nicht allein suchen oder raten müssen.